Ich geb’s gleich zu: Ich liebe Selbermachen. Irgendwie fühlt es sich gut an, wenn man denkt, man hat das System ausgetrickst. Keine teure Fachfirma, kein Handwerker mit Anfahrtskosten, kein „Das wird aber teuer“-Gesicht. Nur ich, YouTube, ein Werkzeug aus dem Baumarkt und sehr viel Selbstvertrauen. Spoiler: Genau da fängt das Problem oft schon an.
Die große DIY-Idee im Kopf, aber die Realität ist anders
Im Kopf läuft es meistens so ab: Du siehst ein Video auf Instagram oder TikTok, jemand baut in 30 Sekunden ein Regal, streicht eine Wand oder repariert irgendwas am Auto. Alles sieht leicht aus. Kommentare darunter: „Hab ich auch gemacht, mega easy.“ Also denkt man sich, ja gut, warum soll ich dafür Geld ausgeben. Mach ich selbst, spar ich locker 200 Euro.
In der Realität stehst du dann im Baumarkt und merkst schon am Eingang, dass irgendwas schief läuft. Du wolltest eigentlich nur Farbe kaufen, gehst aber mit Pinsel, Rolle, Abdeckfolie, Spezialgrundierung, Handschuhen, Atemmaske und noch so einem Teil raus, von dem du nicht mal weißt, wofür es ist. Rechnung: 147 Euro. Und gestrichen ist noch gar nichts.
Zeit ist auch Geld, auch wenn man das gern vergisst
Das sagt man immer so, Zeit ist Geld, klingt nach so einem LinkedIn-Spruch. Aber es stimmt leider öfter, als mir lieb ist. Wenn ich Samstag acht Stunden damit verbringe, einen Schrank zusammenzubauen, der schief steht, dann ist das nicht einfach nur „Hobby“. Das ist verlorene Zeit, in der ich hätte arbeiten können, oder wenigstens halb entspannt auf dem Sofa liegen.
Ich hab mal versucht, meine eigene Steuererklärung komplett selbst zu machen, weil alle meinten, das spart Geld. Hat es auch. Theoretisch. Praktisch saß ich drei Abende dran, hab mir Forenbeiträge aus 2012 durchgelesen und war am Ende so genervt, dass ich fast eine Rückerstattung vergessen hätte. Ein Steuerberater hätte mich vielleicht 100 Euro gekostet, aber mir 10 Stunden Lebenszeit gerettet. Und Nerven. Viele Nerven.
Werkzeuge kauft man nicht nur einmal, oder doch?
Ein Klassiker beim Selbermachen sind Werkzeuge. Man redet sich ein, dass man die ja immer wieder nutzen kann. Akkuschrauber, Stichsäge, Wasserwaage, Multitool, klingt alles sinnvoll. Nur die Wahrheit ist: Viele dieser Sachen liegen danach jahrelang im Keller und sammeln Staub.
Ich hab irgendwo gelesen, dass ein durchschnittlicher Heimwerker über 40 Prozent seiner gekauften Werkzeuge weniger als zweimal benutzt. Ob die Zahl stimmt? Keine Ahnung. Fühlt sich aber verdammt real an, wenn ich meine Bohrmaschine anschaue, die ich für genau ein Loch gekauft habe. Ein Loch. Teures Loch.
Fehler kosten Geld, und DIY hat viele davon
Profis machen Fehler auch, klar. Aber sie wissen meistens, wie man sie schnell und günstig behebt. Beim Selbermachen sind Fehler oft Endgegner. Ein falsch gemessener Schnitt, eine schiefe Fliese, eine Leitung angebohrt. Zack, aus Sparen wird Nachzahlen.
Ein Freund von mir wollte sein Badezimmer selbst fliesen. Sah auf Bildern echt gut aus, zumindest am Anfang. Drei Monate später musste alles wieder raus, weil Feuchtigkeit reingekommen ist. Am Ende hat er doppelt bezahlt. Erst für Material, dann für den Handwerker, der den Schaden repariert hat. Das nennt man dann wohl Lernkurve, aber eine sehr teure.
DIY wird oft unterschätzt, vor allem online
Online wirkt Selbermachen oft romantisch. Hashtags wie #DIYLife oder #Selbstgemacht suggerieren, dass es nicht nur billiger, sondern auch erfüllender ist. Und ja, manchmal stimmt das auch. Wenn man ein Möbelstück baut und es hält, fühlt man sich wie ein kleiner Held.
Aber was man selten sieht, sind die Fehlversuche. Die kaputten Materialien. Die zweite Fahrt zum Baumarkt, weil man doch das falsche Maß gekauft hat. Oder die Diskussionen mit dem Partner, weil das Projekt seit Wochen halbfertig im Wohnzimmer steht. Diese Seiten sind nicht so Instagram-tauglich.
Manchmal zahlt man für Erfahrung, nicht für Arbeit
Ein Punkt, den viele vergessen: Wenn man einen Profi bezahlt, zahlt man nicht nur für die Stunden, sondern für Erfahrung. Für Wissen, das über Jahre aufgebaut wurde. Für die Fähigkeit, ein Problem zu sehen, bevor es entsteht.
Das ist ein bisschen wie beim Friseur. Klar, man kann sich die Haare selbst schneiden. Schere kostet 10 Euro. Aber wenn es schiefgeht, läuft man Wochen mit einer Mütze rum. Der Friseur ist teurer, aber das Risiko ist geringer. Beim Handwerken ist das genauso, nur mit höheren Summen.
Selbermachen lohnt sich emotional, nicht immer finanziell
Ich will DIY hier gar nicht komplett schlechtreden. Es gibt Projekte, da lohnt es sich total. Kleine Reparaturen, Deko, einfache Möbel. Und manchmal geht es auch gar nicht ums Geld. Es geht ums Gefühl, etwas selbst geschafft zu haben. Das kann man nicht in Euro rechnen.
Aber finanziell ist Selbermachen nicht automatisch günstiger. Oft ist es einfach eine andere Art zu bezahlen. Mit Zeit, Stress, Fehlern und manchmal auch mit extra Kosten, die vorher keiner eingeplant hat.
Mein persönliches Fazit, auch wenn es etwas weh tut
Ich mache immer noch vieles selbst. Wahrscheinlich werde ich das auch weiter tun, weil ich stur bin und gerne glaube, dass ich es schon hinbekomme. Aber ich rechne heute ehrlicher. Ich frage mich: Was kostet mich das wirklich? Nicht nur auf dem Kassenzettel, sondern im echten Leben.
Und manchmal, nicht immer, aber öfter als früher, sage ich mir: Nee, das lass ich machen. Das spart am Ende mehr Geld, auch wenn es sich im ersten Moment falsch anfühlt.